16.12.2014

William McIlvanney – Laidlaw

(«Laidlaw», Hodder and Stoughton, London, 1977)

Aus dem Englischen von Conny Lösch

2014, Verlag Antje Kunstmann, München, 303 Seiten


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Der erste Satz
Rennen war so eine Sache.

Das Buch
Während die meisten seiner Kollegen in Glasgow ein simples Bild von Gut und Böse haben, ist Detective Jack Laidlaw überzeugt davon, dass das nicht so einfach ist. So rät er dem jungen Polizisten, der ihm für die Suche nach dem Mörder, der eine junge Frau brutal umgebracht hat, zugeteilt wird:
«Wir (…) dürfen nicht vergessen, dass das, wonach wir suchen, ein Teil von uns ist. Wenn Sie das nicht begreifen, brauchen Sie gar nicht erst anzufangen.»

William McIlvanney ist ein Pionier des Noir-Thrillers in Schottland; der Roman «Laidlaw» ist 1977 erschienen. Auf Deutsch kam er erstmals 1979 heraus («Im Grunde ein ganz armer Hund», rororo thriller), doch der Verlag Antje Kunstmann hat den Roman für die neue Ausabe von der zuverlässigen Übersetzerin Conny Lösch neu übertragen lassen. Und das liest sich dann etwa so:
Es ist das staatliche Leichenschauhaus, der Lieferanteneingang des Gerichts. Hier trifft das Rohmaterial der Rechtsprechung ein. Leichen, der Niederschlag absonderlicher Erfahrungen, Legierungen aus Angst und Hass, Wut und Liebe, Verderbtheit und Bestürzung, werden hier in Verständlichkeit überführt. Durch die doppelte Glastür kommen jene, die Verluste abzuholen haben. Sie nehmen die Eingeweide eines Todes mit, seine Intimität, die irrelevante Einzigartigkeit der Person, all die Einzelteile, für die niemand mehr Verwendung hat. Das Gericht behält nur, worauf es ankommt und wodurch jemand zum Ereignis wurde.

Passagen wie diese zeigen, dass wir es hier nicht mit einem simplen Whodunit-Krimi zu tun haben, sondern mit Kriminalliteratur, die tief in die menschlichen Abgründe taucht. Ein starkes Buch. Zu hoffen ist, dass diesmal auch die beiden weiteren Romane um Jack Laidlaw übersetzt werden.

Der Autor
William McIlvanney, *1936 in Kilmarnock, Schottland, war bis 1975 als Englischlehrer tätig. 1966 veröffentlichte er sein erstes Buch, «Remedy is None». Seiter erschienen mehr als ein Dutzend Bücher von ihm, für die er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Er veröffentlichte auch Gedichte und Sachbücher. «Laidlaw» (1977; auf Deutsch 1979 bei Rowohlt erstmals erschienen) ist der erste von drei Romanen um Detective Jack Laidlaw in Glasgow, die weiteren sind «The Papers of Tony Veitch (1983) und «Strange Loyalities» (1991). Damit gilt McIlvanney als Pionier des «Tartan Noir», des modernen, schottischen hardboiled Krimis. «Ohne McIlvanney wäre ich wohl kein Krimiautor geworden», sagt Ian Rankin, heute wohl der bekannteste schottische Kriminalschriftsteller.

Der letzte Satz
«Hast doch einen Mund, oder nicht?», sagte Laidlaw.




1 Kommentar:

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